Reden im Nationalrat: Schweigen ist Silber, reden ist Gold

Politiker reden gerne, so die einhellige Meinung. Sie reden sogar so gerne, dass im österreichischen Nationalrat die Redezeit begrenzt werden musste – Anlass dafür war eine Marathonrede der grünen Abgebordneten Petrovic 1993 mit mehr als 10 Stunden. Aktuell in der 25. Legislaturperiode (seit September 2013) sieht die Welt jedoch etwas anders aus. Eine Redezeitaufteilung gemäß der Wiener Stunde ermächtigt die Parteien je nach Größe mehr oder weniger lange am Rednerpult zu stehen. Wer aber nun genau das Wort ergreift bleibt den Nationalratsabgeordneten selbst überlassen.

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Auf parlament.gv.at ist die Anzahl der Reden von jedem der 183 Parlamentarier ersichtlich – eine Analyse dieser Daten ist mehr als spannend! An der Spitze der Liste stehen ausgerechnet Politiker der mit nur 9 Abgeordneten vertretenen Klein-Partei NEOS. Gerald Loacker und Matthias Strolz kommen jeweils über 90-mal zu Wort, nur knapp dahinter liegt Beate Meinl-Reisinger. Die NEOS haben nun mal nicht so viele Personen, die sich die Redezeit teilen müssen. Ähnlich verhält es sich mit dem Team Stronach.

Die ÖVP positioniert sich im Mittelfeld und lässt viele ihrer Abgeordneten zu Wort kommen. Auch bei der SPÖ zeichnet sich ein ähnliches Bild. Blau und Grün sind außergewöhnliche Fälle. Die Parteien sind sowohl in den Spitzenrängen mit über 50 Reden (bei bisher 93 Sitzungen) als auch am unteren Ende der Skala vertreten.

Die rote Laterne ist blau

An letzter Stelle rangiert Ing. Heinz-Peter Hackl von der FPÖ. Er hält gerade einmal drei (!) Reden in der bisherigen Legislaturperiode! Die hinteren Ränge werden durch andere FPÖ- und SPÖ-Mandatare komplettiert. Mit nur 11 Reden ist der auf Facebook sehr populäre (>16.000 „Gefällt mir“-Angaben) Julian Schmid der schweigsamste Grün-Abgeordnete. Zudem scheint auch das Zitat auf seiner Website etwas fehl am Platz: „Ich will den Jungen im Parlament eine Stimme geben […]“
In ähnlichen Größen bewegt sich auch die ehemalige Kandidatin zur Bundespräsidentenwahl Barbara Rosenkranz (FPÖ): Fast hätte sie mehr Kinder bekommen als Reden gehalten (10 Kinder versus 16 Reden).

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Frauen reden gerne. Von wegen!

Die Analyse der Daten zeigt weiter, dass Politikerinnen im Nationalrat durchschnittlich weniger Reden halten als ihre männlichen Gegenüber. Frauen stehen durchschnittlich 29,5-mal am Pult, Männer hingegen 31,9-mal. Die Daten zum Durchschnitt der einzelnen Parteien bestätigen die Resultate von oben.

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Insgesamt gibt es also neben zahlreichen Durchschnittmandataren (31,1 Reden im Durchschnitt pro Parlamentarier) auch krasse Ausreißer. Politiker reden also gerne. Manche müssen uns das aber erst beweisen.

Daten: http://www.parlament.gv.at

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