Asylanträge, Kriminalität und Arbeitslosigkeit in Österreich

Tausende Personen auf der Flucht aus Syrien und anderen Ländern und heiß umkämpften Wahlen in der Bundeshauptstadt befördern polarisierende Argumente zu Tage. Besonders Parteien weit rechts der Mitte bedienen sich gerne Sprüche wie „Asylanten nehmen unsere Arbeitsplätze weg und sind kriminell“. Mal ganz abgesehen davon, dass die Wortwahl vollkommen falsch und generalisierend ist, stimmt diese Aussage, bezogen auf die Jahre 2002 bis 2014, schlicht und ergreifend nicht.

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Aber der Reihe nach. In der Grafik sind in grauen Balken die Asylanträge (laut Statistik Austria Website) der betreffenden Jahre (in 1.000er Schritten) verzeichnet. Man kann also erkennen, dass wir nach einigen niedrigen Jahren wieder einer hohen Antragszahl, ähnlich wie 2002, gegenüberstehen. In Blau daneben finden sich die Kriminaldelikte (ebenfalls nach der Statistik Austria Website), diesmal immer gemessen an 1.000 Einwohnern. Der Trend der beobachteten 13 Jahre ist klar: Jahr für Jahr werden weniger Delikte registriert.

Unabhängig davon, ob wenige Anträge (wie in 2008) oder deutlich mehr (wie in 2002) gestellt werden, bleibt die Kriminalitätsrate praktisch gleich oder sinkt so gar. Das Argument, dass allein durch Asylsuchende im Land die Kriminalität steigt, ist also klar widerlegt!

Nun zur dunkelblauen Kurve. Auch diesmal stammen die Zahlen von statistik.at. Sie geben die Gesamtarbeitslosigkeit in Österreich in Prozent an. Der Zusammenhang zwischen der Arbeitslosigkeit und den Asylanträgen ist spannend zu betrachten, da sich bis 2008 kein wirkliches Muster entdecken lässt. Mal werden weniger Anträge gestellt und die Arbeitslosigkeit steigt, mal ist es anders herum.
Erst ab 2009 scheint sich etwas abzuzeichnen: sowohl Asylanträge und Arbeitslosigkeit bewegen sich in einem direkten Verhältnis zueinander: beide steigen. Dies bedeutet aber noch nicht, dass durch mehr Asylsuchende im Land die Arbeitslosigkeit steigt! Denn: ab ca. 2009 waren in Österreich die Auswirkungen der Finanzkrise zu spüren, was auch dem Arbeitsmarkt zusetzte. Es ist also wahrscheinlich, dass der Anstieg in der Arbeitslosigkeit eher auf eine gesamtwirtschaftliche Schwäche als auf die Menge der Asylanträge zurückzuführen ist. Dies wird auch durch die Daten aus den Vorjahren belegt, in denen kein Zusammenhang aufzufinden ist.

Insgesamt nimmt diese Analyse also Sprüchen wie dem oben genannten den Wind aus den Segeln und mahnt uns, nicht alles zu glauben was auf Wahlplakaten steht.

Für Expertinnen und Experten:
Korrelation Asylanträge/Kriminalität: -0.713 (mit absoluten Zahlen berechnet)
Korrelation Asylanträge/Arbeitslosigkeit: -0.203

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